„Gesundheitsversorgung darf keine Frage des Geldes sein“

„Gesundheitsversorgung darf keine Frage des Geldes sein“

FPÖ-Gesundheitssprecher und 2. Landtagspräsident Christoph Staudacher über Ärztemangel, lange Wartezeiten, die immer weiter fortschreitende Zwei-Klassen-Medizin und warum gerade die ältere Generation ein Recht auf eine verlässliche medizinische Versorgung hat.

Herr Staudacher, wie beurteilen Sie die aktuelle Gesundheitsversorgung in Kärnten?

Die Situation ist in vielen Bereichen alarmierend. Wir erleben einen zunehmenden Mangel an Kassenärzten, Lücken bei Bereitschaftsdiensten, lange Wartezeiten bei Fachärzten und teilweise Wartezeiten von einem Jahr und länger auf Operationen. Seit 2013 warne ich vor diesen Entwicklungen und habe Lösungen eingebracht, um dem vorzubeugen. Damals wurde mir vorgeworfen, ich würde mit den Ängsten der Menschen spielen. Leider haben sich viele meiner Befürchtungen inzwischen mehr als bewahrheitet.

Wo sehen Sie derzeit das größte Problem?

Der Ärztemangel zieht sich mittlerweile durch das gesamte System, besonders bei der hausärztlichen Versorgung vor Ort. Gerade ältere Menschen brauchen einen Arzt in erreichbarer Nähe. Gleichzeitig bestehen Lücken bei den Bereitschaftsdiensten an Wochenenden und Feiertagen.

Schreitet in Kärnten die Zwei-Klassen-Medizin voran?

Ja, leider bewegen wir uns immer stärker in diese Richtung. Wer es sich leisten kann, geht zum Wahlarzt oder bezahlt Untersuchungen privat. Wer auf einen Kassenarzt angewiesen ist, wartet hingegen oft wochen- oder monatelang. Gesundheitsversorgung darf aber weder eine Frage des Einkommens noch des Alters sein.

Gerade ältere Menschen sind besonders auf ein funktionierendes Gesundheitssystem angewiesen. Unsere ältere Generation hat dieses Land aufgebaut und über Jahrzehnte ihren Beitrag geleistet. Dafür verdient sie Respekt und Wertschätzung. Dazu gehört auch die Sicherheit, im Krankheitsfall bestmöglich versorgt zu werden.

Auch aus dem Klinikum Klagenfurt kommen immer wieder Meldungen über Probleme. Wie bewerten Sie das?

Die Probleme, beispielsweise in der Radiologie, sorgen verständlicherweise für Verunsicherung. Ein Leitspital wie das Klinikum Klagenfurt muss Patienten und Mitarbeitern Sicherheit vermitteln. Wir brauchen eine langfristige Personalstrategie und klare Verhältnisse statt immer neuer Baustellen.

Wie konnte es so weit kommen?

Der Ärztemangel ist keine Überraschung. Die demografische Entwicklung und die Pensionierungswelle bei den Ärzten waren seit Jahren bekannt. Die SPÖ trägt seit Jahrzehnten Verantwortung für das Kärntner Gesundheitsressort. Gesundheitslandesrätin Prettner hätte längst gegensteuern müssen. Heute sehen wir das Ergebnis dieser Versäumnisse, und die Rechnung bezahlen die Patienten.

Was hätte die geplante Medizin-Uni in Kärnten gebracht?

Unter freiheitlicher Verantwortung wurde im Jahr 2013 eine Medizin-Uni für Kärnten ausverhandelt. SPÖ und ÖVP haben dieses Projekt nach dem Regierungswechsel verhindert. Das war eine historische Fehlentscheidung. Heute fehlen uns Ärzte und damit genau jene Fachkräfte, die wir dringend benötigen.

Was muss jetzt geschehen?

Wir brauchen eine Ausbildungsoffensive und attraktive Bedingungen, damit Ärzte in Kärnten arbeiten und bleiben. Hausarztstellen müssen nachbesetzt, Bereitschaftsdienste abgesichert und die Wartezeiten deutlich reduziert werden. Jeder Kärntner muss darauf vertrauen können, rasch und bestmöglich versorgt zu werden – unabhängig von Einkommen, Wohnort und Alter.